Maschinelle Übersetzungen: Looking stupid from the wash

Mitten während meines Übersetzerstudiums, es muss so 1988 gewesen sein, kam das Arbeitsamt zur Fachhochschule und klärte die Studierenden darüber auf, dass es in Zukunft wohl kaum Stellen für Übersetzer geben würde, da in Kürze Computer unsere Arbeit übernehmen würden. Man bot uns an, uns zu Fremdsprachenkorrespondenten umzuschulen.

Nun. Das Arbeitsamt hatte in einem Punkt Recht: Viele Stellen für Übersetzer gab es wirklich nicht. Aber nicht, weil die Computer unsere Arbeit übernommen haben, sondern schlicht und einfach darum, weil Übersetzer outgesourct wurden.

Was die Computerübersetzungen anbelangt, so haben sie in den letzten Jahren sicherlich Fortschritte gemacht, aber die Arbeit eines Menschen können sie nicht ersetzen.

Es gibt heute CAT-Tools, Computer Aided Translation-Werkzeuge, die meine Arbeit automatisieren, vereinfachen und beschleunigen. Davon möchte ich hier nicht sprechen, das werde ich an anderer Stelle tun. Mit diesen Tools (in meinem Fall ist das Trados) arbeite ich gerne. Ich weigere mich hingegen, mit maschinellen Übersetzungen zu arbeiten. Machine Translations, oder MTs, werden vollständig von Computern erstellt, ohne dass ein Mensch dabei eingreift. Google Translate ist ein gutes Beispiel dafür. Es gibt ein paar Übersetzungsbüros, die ihren Übersetzern TMs (Translation Memories, also eine Datenbank mit bereits vorliegenden Übersetzungen aus einem bestimmten Bereich) vorsetzen, die nicht nur menschliche Übersetzungen, sondern auch maschinelle Übersetzungen enthalten. Und für diese bereits vorhandenen Übersetzungen zahlen sie dann weniger. Erst heute Morgen noch bekam ich eine Anfrage für das “Editing” einer Maschinenübersetzung. Vor mir lagen 4000 Begriffe, wie z.B. “Crayon yeux”, was die Maschine mit “Bleistift-Auge” (statt Kohlkajalstift) übersetzt hatte, die ich “korrigieren” sollte. Natürlich zu einem reduzierten Preis. Nein Danke.

MTs beeinflussen meine Fähigkeit, zu übersetzen. Die fehlerhaften Begriffe brennen sich in meinem Gehirn ein und ich bin weniger in der Lage, frische, deutsche Begriffe zu wählen, als wenn ich einen völlig jungfräulichen ausgangssprachlichen Text vor mir liegen hätte. Weil also viele der maschinellen Übersetzungen oft völliger Nonsense sind und ich dafür auch noch schlechter bezahlt werde, lehne ich die Arbeit mit maschinellen Übersetzungen schlichtweg ab. Basta.

Dabei können sie so erheiternd sein. Das “Bleistift-Auge” weiter oben ist ja schon ein hübsches Beispiel. Ich erinnere mich aber auch an einen amerikanischen Bekannten von mir, der versuchte, einen meiner deutschen Texte für ihn lesbar zu machen: Am Ende schaute er ziemlich dumm aus der Wäsche: “He was looking stupid from the wash” ;-). Und der maschinelle Übersetzungsversuch eines ornithologischen Buches mit dem Titel “Alles über Vögeln” bringt mich heute noch zum Schmunzeln.

 

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